Die fünf häufigsten Skydiving-Mythen

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Mythos 1: Alle fallen immer gleich schnell
Wir alle haben irgendwann Mal in der Physikstunde gelernt, dass alle Körper gleich schnell fallen, und dass die Beschleunigung 9,81 m/s beträgt. Richtig? Falsch! - Was wir gelernt haben, ist, dass im luftleeren Raum alle Körper gleichschnell fallen - und dass dort die erreichbare Geschwindigkeit von der Masse und damit der Anziehungskraft des Planeten abhängt. Zum Glück haben wir hier auf der Erde aber die Luft, die aus Molekülen besteht, und aus der Reibung des fallenden Körpers an den Luft-Molekülen entsteht der Luftwiderstand, der den fallenden Körper bremst. Je nachdem, wie groß die Fläche ist, auf der die anströmende Luft auftrifft, wird dieser Widerstand größer oder geringer sein - und so ergibt es sich, dass ein vor sich hin flatternder Anfänger etwa um die 180 km/h schnell fällt, wohingegen ein Könner im Headdown durchaus auf das Doppelte kommen kann. Der Weltrekord im Speed-Skydiving steht sogar bei 516 km/h.
Mythos 2: Aussteigen, Fallen, Schirm aufmachen - Fad, oder?
Zum Glück (das kann man gar nicht oft genug sagen…) haben wir den Luftwiderstand aus Mythos eins. Mit seiner Hilfe kann man sich in der Luft kontrolliert bewegen. Indem man die Körperoberfläche, die direkt dem Luftstrom ausgesetzt ist, durch die Körperhaltung an bestimmten Stellen vergrößert oder verkleinert, kann man nicht nur die Fallgeschwindigkeit beeinflussen, sondern auch die Fall-Richtung. Nur so ist es möglich, Formationen zu bilden und Figuren zu fliegen. Und genau das ist die Kunst und die Faszination am Freifall.
Mythos 3: Bei der Schirmöffnung wird man nach oben gerissen
Klingt schmerzhaft, ist aber zum Glück falsch. Der sich öffnende Schirm entfaltet sich langsam und bremst so den Fall ab - je nachdem, wie der Schirm gepackt ist (also wie viel Stoff gleichzeitig in den Luftstrom kommt) ist dieser Bremsvorgang schneller oder langsamer, aber nach oben geht es nie. Die Grundlage dieses Irrtums ist der optische Eindruck aus den Freifall-Videos. Fallen zwei Körper zuerst gleich schnell, und einer davon wird durch die Schirmöffnung abgebremst, während der andere gleich schnell weiter fällt (der Video-Flyer, der seinen Schirm ein paar hundert Fuß tiefer aufmacht), dann sieht es auf dem Video so aus, als würde der andere “nach oben gerissen”. In Wirklichkeit fällt er nur weniger schnell.
Mythos 4: Plaudern im Freifall
In allen einschlägigen Filmen kommt sie vor - die Szene, in der ein Skydiver dem anderen zuruft: “Zieh du zuerst!” - und der antwortet: “Nein Du!”. Klingt lustig, würde aber nicht funktionieren - der Luftstrom ist einfach zu laut. Auch ohne Freifall lässt sich das leicht nachvollziehen - Stellt euch vor, bei 200 km/h auf der Autobahn steckt links und rechts je einer den Kopf aus dem Fenster (aus Sicherheitsgründen hoffentlich auf der Rückbank), und dann versuchen die beiden, sich zu unterhalten. Funktioniert einfach nicht.
Mythos 5: “Der Schirm hat sich nicht geöffnet”
Mythos 5 ist genaugenommen kein Mythos, sondern ein Standardsatz, wenn Medien über Fallschirm-Unfälle berichten. In der wirklichen Springer-Welt kommt dieses Alptraum-Szenario zum Glück kaum noch vor - Die Ausrüstung wird immer sicherer, und selbst in den ganz seltenen Fällen, wo der Hauptschirm komplett verweigert, gibt es noch den Reserve-Schirm. Häufigste Unfallursache beim Springen ist eine falsch angelegte Landung - sei es durch schlechte Wetterbedingungen, Unaufmerksamkeit des Springers oder äußere Einflüsse. Dazu auch Mythos 5a: Bei einem Fallschirm-Unfall ist man ohnehin tot: Meistens nicht, zum Glück - die häufigste Verletzung sind verknackste Knöchel oder gebrochene Beine. Schlimm genug, aber Hauptsache, man lebt (sonst könnte man ja nicht wieder springen…).
Bonus-Mythos
Die folgende Geschichte habe ich nur ein einziges Mal gehört - aber sie ist zu schön, um sie nicht zu erwähnen. Es war in einem arabischen Cafe in Tunis, in dem weiland nach einem Pink-Boogie 11 Fallschirmspringer die Zeit bis zum Weiterflug nach Wien überbrückten. Ein Videoflyer war dabei, der fragte den Besitzer, ob er seine Kamera an das TV-Gerät anhängen dürfte. Er durfte. Die Stunde voller Freifall-Videos schaffte es nicht nur, das Cafe weit über die Kapazitätsgrenze mit Einheimischen zu füllen, sondern animierte auch zwei Besucher, sich (auf französisch) eingehender darüber zu unterhalten. Der eine war bei der Armee gewesen und erzählte seinen Freunden sehr ernsthaft, dass alle die, die man auf den Videos frei fallen sehen konnte, blutige Anfänger wären - die echten Könner nämlich, die brauchen gar keinen Schirm: Die bleiben oben!
So, jetzt seid ihr dran. Welche falschen, lustigen und/oder haarsträubenden Geschichten hab ihr von Nichtspringern über das Springen gehört?